Wandern macht schlauer
 

Beim Wandern gibt es viel zu sehen. Aber manchmal lohnt es sich, noch ein bisschen genauer hinzuschauen. Denn hinter Felsen, Wäldern, Heidelandschaften oder geheimnisvollen Höhlen stecken Geschichten, die du auf den ersten Blick vielleicht gar nicht vermutest.

Zahlreiche Orte warten darauf, dir mehr über die Landschaft zu erzählen, durch die du gerade wanderst. Besucherzentren, Museen und Lehrpfade nehmen dich mit in Millionen Jahre Erdgeschichte, erklären, wie besondere Kulturlandschaften entstanden sind oder zeigen, welche Auswirkungen der Klimawandel auf unsere Natur hat. Und bei geführten Touren mit Rangern und anderen Experten erfährst du Dinge, an denen du alleine vielleicht einfach vorbeigewandert wärst.

Also: Augen auf, Wanderschuhe an – und unterwegs ruhig ein bisschen schlauer werden!

 

Geschichten, die zur Landschaft gehören

Manche Landschaften versteht man erst richtig, wenn man ihre Geschichte kennt. Auf dem Kammweg Erzgebirge-Vogtland lohnt sich deshalb ein Abstecher ins Erlebnismuseum Perlmutter in Adorf. Jahrhundertelang wurde in der Weißen Elster nach Süßwasserperlmuscheln gesucht – wegen ihrer kostbaren Perlen und des wunderschön schimmernden Perlmutts. Im Museum kannst du heute außergewöhnliche Objekte aus diesem besonderen Material bestaunen und in ein spannendes Kapitel regionaler Geschichte eintauchen.

Auf dem WesterwaldSteig begegnen sich dagegen Geologie und Industriegeschichte. Im Stöffel-Park wurde seit Beginn des 20. Jahrhunderts in großem Umfang Basalt abgebaut – lange Zeit eine wichtige Einnahmequelle für die Region. Dabei kamen in den Ablagerungen eines rund 25 Millionen Jahre alten vulkanischen Sees außergewöhnliche Fossilien zum Vorschein. Zwischen alten Betriebsgebäuden und Maschinen kannst du auf Zeitreise gehen, während das Museum TERTIÄRUM die geologische Vergangenheit des Westerwaldes lebendig werden lässt.

Schwarzwald Tourismus

Weserbergland-Tourismus

Klima und Natur mit anderen Augen sehen

Was bedeutet der Klimawandel eigentlich für die Landschaften, durch die wir heute wandern? Ganz in der Nähe der Hermannshöhen kannst du dieser Frage in der Klimaerlebniswelt Oerlinghausen nachgehen. Interaktive Stationen machen komplexe Zusammenhänge verständlich und zeigen, wie sich Klima und Klimawandel weltweit, aber auch direkt vor unserer Haustür auswirken.

Auch am Harzer-Hexen-Stieg wird Klimawissen zum Erlebnis – und zwar besonders für Familien mit Kindern. Auf dem Klimapfad Wald bei Buntenbock erfahrt ihr unter anderem, warum der Wald als CO₂-Speicher, Rohstofflieferant und Lebensraum so wichtig ist. Am Klimapfad Wasser entlang der Sösetalsperre dreht sich dagegen alles ums Wasser: von der Trinkwasserversorgung über den Hochwasserschutz bis zur Energiegewinnung durch Wasserkraft.

Wie erstaunlich widerstandsfähig Natur sein kann, zeigt der Lotharpfad nahe dem Westweg im Schwarzwald. 1999 hinterließ Orkan Lothar hier eine verheerende Spur. Danach durfte die Natur weitgehend selbst übernehmen. Auf einem 900 Meter langen Holzsteg kannst du heute beobachten, wie aus Zerstörung neues Leben entsteht: Totholz wird zum Lebensraum für Insekten und Pilze, zwischen umgestürzten Bäumen wächst langsam ein neuer Wald heran. Noch spannender wird es bei einer der regelmäßig angebotenen Wanderungen mit einem Ranger.

 

Eine Reise durch Millionen Jahre Erdgeschichte

Felsen, Höhlen und außergewöhnliche Gesteinsformationen erzählen Geschichten aus einer Zeit, lange bevor Menschen diese Landschaften durchwanderten.

Am Weserbergland-Weg kannst du in der Schillathöhle sogar unter die Erde gehen. Gemeinsam mit einem Führer steigst du hinab in eine faszinierende Welt aus Felsmalereien, funkelnden Kristallen und leuchtenden Steinen. Die benachbarte Riesenberghöhle ist zu empfindlich für Besucher – mit einer speziellen VR-Brille kannst du Deutschlands größte Tropfsteinhöhle trotzdem erkunden und mehr über die Höhle und ihre Bewohner erfahren.

Riesige Felsblöcke erwarten dich dagegen am Nibelungensteig. Im Lautertal liegt das beeindruckende Felsenmeer, dessen heutige Gestalt durch Verwitterung und Verschiebungen während der Eiszeiten entstanden ist. Im Felsenmeer-Informationszentrum erfährst du, wie die Landschaft geologisch entstand, warum bereits die Römer hier Steine abbauten – und natürlich darf auch die Geschichte von Drachentöter Siegfried und dem legendären Nibelungenlied nicht fehlen.

Noch weiter zurück führt dich der Rothaarsteig. Direkt am Weg ragen die vier markanten Bruchhauser Steine empor – Überreste vulkanischer Aktivität vor Hunderten von Millionen Jahren. Im Informations- und Service-Center am Fuße der Felsen erfährst du mehr über ihre Entstehung, die besondere Natur rund um die Felsen und die Spuren prähistorischer Besiedlung, die hier entdeckt wurden.

Eifel Tourismus

Westerwald Touristik Service

Verstehen, was du unterwegs siehst

Warum wächst ausgerechnet auf den kalkreichen Hängen des Altmühltals Wacholder? Und wie ist die typische Heidelandschaft überhaupt entstanden?

Wenn du auf dem Altmühltal-Panoramaweg unterwegs bist und genauer wissen möchtest, was da eigentlich rechts und links des Weges wächst, lebt und unter deinen Wanderschuhen liegt, solltest du in den Naturinformationszentren in Treuchtlingen und Eichstätt vorbeischauen. Interaktive Ausstellungen erklären die charakteristische Landschaft des Naturparks Altmühltal – von Wacholderheiden und Jura-Gestein bis zu den Pflanzen und Tieren der Region.

Auch der Heidschnuckenweg hat weit mehr zu erzählen, als die wunderschöne Lüneburger Heide auf den ersten Blick vermuten lässt. Im Heide-ErlebnisZentrum in Undeloh erfährst du, wie diese besondere Kulturlandschaft durch das jahrhundertelange Zusammenspiel von Mensch und Natur entstanden ist. Grabhügel erzählen von den frühesten Bewohnern, die Geschichte der Heidebauern von der Nutzung und Gestaltung der Landschaft. Und natürlich erfährst du auch, warum die namensgebenden Heidschnucken mit ihren markanten gebogenen Hörnern bis heute eine wichtige Rolle für den Erhalt der Heide spielen.

Unterwegs mit denen, die sich auskennen

Manchmal braucht es nur jemanden, der sagt: „Schau mal dort!“ – und plötzlich entdeckst du etwas, an dem du alleine vielleicht vorbeigelaufen wärst.

In der Wutachschlucht, der wohl bekanntesten Schlucht am Schluchtensteig, werden während der Wandersaison regelmäßig geführte Wanderungen angeboten. Speziell ausgebildete Wanderführer nehmen dich mit durch das Naturschutzgebiet und erzählen von seiner besonderen Flora und Fauna und der Geschichte der Schlucht. Über Brücken, Stege und schmale Pfade geht es vorbei an Wasserfällen, mächtigen Felswänden und natürlich immer wieder an der Wutach.

Auch auf dem Goldsteig lohnt es sich, mit Experten auf Tour zu gehen. Gemeinsam mit Naturparks, dem Nationalpark Bayerischer Wald und weiteren regionalen Partnern werden auf ausgewählten Etappen geführte Wanderungen angeboten. Ranger und andere Experten öffnen dir unterwegs die Augen für Hochmoore, seltene Pflanzen und Tiere, Naturschutz und geologische Besonderheiten. Und wenn die Wegbetreuer des Goldsteigs mitwandern, gibt es obendrauf Geschichten und Hintergrundwissen über den Fernwanderweg selbst.

Uwe Stanke